Daten und Fakten zur deutschen Landwirtschaft. Verfasser ist der Deutsche Bauernverband
Welternährung
Die Weltbevölkerung nimmt erheblich zu
Die Weltbevölkerung liegt derzeit bei etwa 6,3 Milliarden Menschen. Damit hat sich die Zahl der Menschen seit 1960 mehr als verdoppelt. Nach aktueller Einschätzung der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung bis zum Jahre 2050 auf 8,9 Milliarden anwachsen. Das sind 2,6 Milliarden mehr als heute. Während die Bevölkerung in Asien und Afrika geradezu explodiert, wächst sie in anderen Regionen nur mäßig, in Europa nimmt sie sogar ab.
Nahrung und Reichtum sind auf der Welt ungleich verteilt
Die Nahrungsmittelerzeugung hat sich zwar in den vergangenen 40 Jahren mehr als verdoppelt und wuchs damit schneller als die Weltbevölkerung. Dennoch hat sich die Zahl der unterernährten Menschen auf der Erde kaum verringert. Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) müssen heute etwa 800 Millionen (12 % der Weltbevölkerung) Hunger leiden, darunter etwa 180 Millionen Kinder. Jeden Tag sterben 24.000 Menschen an den Folgen von Hunger, drei Viertel davon sind Kinder unter 5 Jahren. Mehr als 2 Milliarden Menschen leiden an Defiziten bei spezifischen Nährstoffen mit gravierenden Auswirkungen an ihrer Gesundheit und geistigen Entwicklung.
Das künftige Bevölkerungswachstum wird nach Einschätzung der UN zu 95 Prozent in den Entwicklungsländern stattfinden. Im Jahre 2025 dürfte der Anteil der Weltbevölkerung in den heutigen Entwicklungsländern von derzeit 80 auf dann etwa 85 Prozent angestiegen sein.
Gegensätze bestimmen die gegenwärtige Welternährungssituation
Die weltweite Pro-Kopf-Versorgung mit Kalorien konnte in den letzten 30 Jahren bei einer Verdoppelung der Weltbevölkerung um 15 Prozent gesteigert werden. Rein rechnerisch gibt es heute genug Nahrungsmittel, um die gesamte Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren. Pro Kopf stehen immerhin täglich 2.700 Kilokalorien (kcal) an Nahrungsenergie zur Verfügung. Aber der Tisch ist unterschiedlich gedeckt. Hat ein Amerikaner im Durchschnitt 3.600 Kilokalorien (Kcal) pro Tag zur Verfügung und ein Europäer 3.500 kcal, so sind es für die Afrikaner südlich der Sahara pro Kopf nur 2.100 kcal und im Durchschnitt der Entwicklungsländer 2.500 kcal. Besonders Afrika dürfte wohl auch in Zukunft Sorgenkind bleiben.
Gesicherte Eigentums- und Nutzungsrechte sind wichtige Voraussetzungen für eine leistungsfähige Wirtschaft
Wirtschaftswachstum und menschliche Entwicklung müssen nach einem UN-Bericht eine Einheit bilden, weil sie sich gegenseitig beeinflussen und verstärken.
Gefordert werden gesicherte Eigentums- und Nutzungsrechte an Boden und Wasser, geeignete Investitions- und Kreditprogramme, effiziente Beratungsdienste, soziale Grundversorgung, Gleichstellung der Geschlechter sowie Bildungs- und Bevölkerungspolitik. Die Entwicklungsländer müssen UN-Angaben zufolge in ihrer Fähigkeit gestärkt werden, öffentliche Aufgaben durchzuführen. Dazu gehören der Erhalt von Recht und Ordnung, Durchsetzung von Eigentumsrechten, Förderung und Sicherung von Wettbewerb auf Märkten des Privatsektors sowie die Öffnung gegenüber internationalen Märkten.
Landwirtschaftliches Wachstum trägt zu einer allgemeinen Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum und zu einer Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufe bei. In der Hilfe zur Selbsthilfe wird ein wichtiger Schlüssel zur Bekämpfung des Hungers auf der Welt gesehen.
Produktionsfaktor Boden wird knapper
Von den 13,4 Milliarden Hektar Erdoberfläche werden 1,5 Milliarden Hektar ackerbaulich, weitere 3,5 Milliarden Hektar als Grün- und Weideland genutzt. Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Erzeugung wird schwieriger, weil die natürlichen Ressourcen Boden und Wasser immer knapper werden. Jährlich gehen weltweit etwa 7,1 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche (LF) und 9,4 Millionen Hektar Waldfläche durch Überbauung, Erosion beziehungsweise Fremd- und Fehlnutzung verloren. Zum Vergleich: Deutschland hat eine LF von 17,0 Millionen Hektar.
Auch die ökologisch wichtigen Waldflächen werden geringer
Die Wald- und Steppenfläche nimmt mittlerweile nur noch 3,9 Milliarden Hektar ein. Gut die Hälfte (52 Prozent) sind Tropenwälder. Ihr Rückgang wird mit jährlich rund 15 Millionen Hektar veranschlagt. Der größte Teil der Rodung tropischer Feuchtwälder – ungefähr 90 Prozent – ist der landwirtschaftlichen Nutzung zuzuschreiben. Zu den Folgeschäden zählen häufig Bodenerosion, Überflutungen, Verlängerung der Trockenzeiten, Minderung der biologischen Vielfalt und globale Klimaänderungen. Als wichtigste Ursachen für den anhaltenden starken Rückgang der Waldflächen bezeichnet die FAO vor allem die auf Korruption und Armut zurückzuführende illegale Holzgewinnung und einen Mangel an landwirtschaftlicher Anbaufläche.
Nachlassende Bodenqualität führt zu geringeren Ernten
Produktivitätssteigerungen werden auch wegen der zunehmend schlechteren Bodenqualität in vielen Regionen der Welt schwieriger. Nach einer aktuellen Studie des Internationen Forschungsinstitutes für Nahrungsmittelpolitik (IFPRI) sind heute schon 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde durch Erosion, Versalzung und Wüstenbildung so stark beschädigt, dass die langfristige Ertragsfähigkeit der Böden bedroht ist. In ihrem Fazit sieht die Studie das Ziel auch künftig alle Menschen zu ernähren, ernsthaft gefährdet. Die zusätzliche Nachfrage nach Nahrungsmitteln schätzt die FAO für das Jahr 2030 gegenüber 2003 auf 60 Prozent.
Der wachsenden Weltbevölkerung steht immer weniger Fläche zur Verfügung
Bei wachsender Weltbevölkerung geht die verfügbare ‚Fläche je Einwohner rasant zurück. 1950 standen weltweit im Schnitt noch 0,51 Hektar Ackerland pro Kopf zur Verfügung, 2000 waren es lediglich 0,27 Hektar. Im Jahr 2020 werden es voraussichtlich nur noch 0,18 Hektar sein.
Sofern bei wachsender Weltbevölkerung die Ernährungssicherheit gewährleistet werden soll, müssen die landwirtschaftlichen Flächen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung dauerhafter Bodenfruchtbarkeit intensiver genutzt werden. Nach FAO – Einschätzung muss die in den nächsten Jahrzehnten erforderliche Mehrproduktion zu 80 Prozent aus höheren Flächenerträgen kommen, da der Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen Grenzen gesetzt sind.
Wenn Wasser knapp wird, wird Nahrung knapp
Neben dem Verlust von landwirtschaftlich nutzbarem Boden wird die Verfügbarkeit von Wasser als einem der wesentlichen Elemente des Lebens zur dringenden Frage. Die Wasservorräte der Erde betragen rund 1,1 Milliarden Kubikkilometer. 97,5 Prozent dieses Wassers befinden sich in den Meeren und nur 2,5 Prozent sind Süßwasser. Etwa 69 Prozent dieses Süßwassers sind für die menschliche Nutzung nicht zugänglich, da es als Eis gebunden ist. 31 Prozent des Süßwassers befinden sich im Oberflächenwasser oder sind in Grundwasserbeständen akkumuliert. Laut Angaben der FAO werden 70 Prozent der Wassermengen , die von Menschen auf der Erde genutzt werden, für die Bewässerung in der Landwirtschaft eingesetzt, die restlichen 30 Prozent entfallen auf die Industrie und den Trink- und Brauchwasserbedarf der Bevölkerung.
Projektionen des renommierten Internationalen Forschungsinstitutes IFPRI gehen auf Grund des Bevölkerungswachstums davon aus, dass die Wassernachfrage bis 2025 um mindestens 50 Prozent zunehmen wird. Ohne Anpassung im Umgang mit dem Wasser wird weltweit ein erheblicher Rückgang der Getreideproduktion befürchtet. Wassersparende und dürreresistente Sorten könnten einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten.
Produktivitätswachstum muss erhöht werden
Nach Angaben der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen, der FAO, ist die Zunahme der landwirtschaftlichen Erzeugung in den letzten 40 Jahren zu 78 Prozent auf Leistungssteigerung, zu 15 Prozent auf eine Zunahme der Anbaufläche und zu 7 Prozent auf eine kürzere Brache zurückzuführen. Für den Zeitraum bis 2015 rechnet die FAO mit einer Wachstumsrate bei der Nachfrage von Nahrungsmitteln von etwa 2 Prozent. Danach soll die Wachstumsrate auf Grund niedrigeren Bevölkerungswachstums und gewisser Marktsättigung schwächer ausfallen. Ob diese Nachfrage gedeckt werden kann, ist offen. Bei Getreide zum Beispiel, das in den Entwicklungsländern 60 Prozent der gesamten Kalorienversorgung abdeckt, hat sich das Produktivitätswachstum in den letzten Jahrzehnten deutlich verlangsamt. Nahmen die Hektarerträge bei Getreide im Zeitraum 1982 bis 1997 weltweit noch um 1,6 Prozent pro Jahr zu, so wird es nach IFPRI-Schätzungen im Zeitraum 1997 bis 2020 voraussichtlich nur noch 1,0 Prozent pro Jahr sein. Vor diesem Hintergrund kommt die Forcierung und der Nutzung des wissenschaftlichen-technischen Fortschrittes eine große Bedeutung zu.
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